Brille & Krankenkasse

Zahlt die Krankenkasse die Brille? Wer Anspruch hat und was übernommen wird

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Brillengläser für Kinder und Jugendliche – Erwachsene bekommen sie nur bei starker Fehlsichtigkeit oder schwerer Sehbeeinträchtigung. Das Gestell zahlt die Kasse nie. Hier sehen Sie die genauen Grenzen, was seit dem Wegfall der Festbeträge gilt und wie Sie sonst Geld für Ihre Brille zurückbekommen können.

  • Kinder und Jugendliche: Anspruch bis zum 18. Geburtstag
  • Erwachsene: ab mehr als 6 bzw. 4 Dioptrien
  • Gestell: zahlt die Kasse nie
  • Zuzahlung ab 18: 5 bis 10 € je Hilfsmittel

123tarifvergleich.de – Eigenständiges Vergleichsportal seit 2008

Wer hat Anspruch?

Wann die Krankenkasse Brillengläser bezahlt

Anspruch auf Sehhilfen in der gesetzlichen Krankenversicherung
Wer Voraussetzung Anspruch
Kinder und Jugendliche bis zum 18. Geburtstag ● ja, Gläser
Erwachsene mit starker Fehlsichtigkeit mehr als 6 Dioptrien Kurz- oder Weitsichtigkeit oder mehr als 4 Dioptrien Hornhautverkrümmung – auf mindestens einem Auge ● ja, Gläser
Erwachsene mit schwerer Sehbeeinträchtigung mindestens Stufe 1: Sehschärfe auf dem besseren Auge höchstens 0,3 oder Gesichtsfeld höchstens 10 Grad – jeweils mit bestmöglicher Brille ● ja, Gläser
Therapeutische Sehhilfen zur Behandlung von Augenverletzungen oder Augenerkrankungen ● ja, nach Indikation
Alle anderen Erwachsenen normale Fehlsichtigkeit, Lesebrille, Gleitsicht ohne die Grenzen oben ▲ nein

Bei den Dioptrien-Grenzen zählt der verordnete Wert für die Ferne im stärksten Hauptschnitt. Weil Dioptrien in Viertelschritten gemessen werden, setzt die Hilfsmittel-Richtlinie die Grenze praktisch bei 6,25 bzw. 4,25 Dioptrien. Ob Ihre Werte reichen, sagt Ihnen Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt.

Grundlage: § 33 SGB V und Hilfsmittel-Richtlinie des G-BA, § 12(in Kraft seit 16.05.2025).

Leistung

Was die Kasse zahlt – und was Sie selbst tragen

Vertragspreis statt Festbetrag
Der GKV-Spitzenverband hat die Festbeträge für Sehhilfen zum 1. März 2025 aufgehoben ( GKV-Spitzenverband). Seitdem übernimmt die Kasse den Preis, den sie mit den Augenoptikern vertraglich vereinbart hat. Die Verträge sind nicht öffentlich; die Höhe erfahren Sie bei Ihrer Kasse oder beim Optiker.
Gestell
Die Kosten des Brillengestells übernimmt die Kasse nicht – auch nicht bei Kindern.
Wunschgläser und Extras
Wählen Sie mehr als das medizinisch Notwendige, etwa dünnere oder entspiegelte Gläser, zahlen Sie die Mehrkosten selbst.
Zuzahlung
Ab 18 Jahren zahlen Sie 10 % des Abgabepreises, mindestens 5 € und höchstens 10 €, nie mehr als die Kosten selbst ( § 61 SGB V). Kinder und Jugendliche unter 18 sind befreit.
Kinder und Jugendliche

Brille für Kinder: Was die Krankenkasse übernimmt

  • Bis 14 Jahre: Kunststoffgläser unabhängig von der Glasstärke; neue Gläser auch bei kleinen Änderungen, wenn die Augenärztin sie verordnet.
  • Ab 14 Jahren: Eine neue Brille gibt es nur bei einer Änderung der Sehstärke um mindestens 0,5 Dioptrien.
  • Schulsport: Bis zum Ende der allgemeinen Schulpflicht sind Gläser für eine Schulsportbrille vorgesehen.
  • Verordnung: Unter 14 Jahren braucht jede Versorgung eine augenärztliche Verordnung. Geht die Brille innerhalb von 3 Monaten nach der Verordnung verloren oder kaputt, ist für den Ersatz keine neue Verordnung nötig.
  • Gestell: zahlen die Eltern selbst.

Grundlage: § 33 Abs. 4 SGB V, Hilfsmittel-Richtlinie §§ 12 und 14.

Kontaktlinsen

Kontaktlinsen auf Kassenkosten?

Kontaktlinsen zahlt die Kasse nur in medizinisch zwingenden Ausnahmefällen, etwa bei Kurz- oder Weitsichtigkeit ab 8 Dioptrien, Keratokonus oder starken Unterschieden zwischen beiden Augen. Regelversorgung sind formstabile Linsen; Tageslinsen und Pflegemittel sind ausgeschlossen.

Haben Sie Anspruch auf eine Brille, wählen aber ohne medizinischen Grund Kontaktlinsen, zahlt die Kasse höchstens den Betrag, den die Brille gekostet hätte.

Grundlage: § 33 Abs. 3 SGB V, Hilfsmittel-Richtlinie § 15.

So läuft es ab

Verordnung, Optiker, Abrechnung: So kommen Sie an die Kassenbrille

Erstversorgung beim Augenarzt

Für die erste Kassenbrille brauchen Sie eine Verordnung einer Augenärztin oder eines Augenarztes.

Folgeversorgung beim Optiker

Erwachsene mit hoher Fehlsichtigkeit können eine neue Brille danach meist direkt beim Optiker bekommen. Eine ärztliche Verordnung ist nur nötig, wenn eine neue Diagnose geboten ist – bei Kindern unter 14 und bei schwerer Sehbeeinträchtigung immer.

Vertragsoptiker wählen

Der Optiker rechnet mit Ihrer Kasse ab. Fragen Sie vorher, welche Gläser ohne Aufzahlung möglich sind.

Mehrkosten schriftlich

Lassen Sie sich Aufzahlungen für Wunschgläser oder Extras vor der Bestellung aufschlüsseln.

Kein Anspruch?

Kein Anspruch bei der Kasse: Diese Wege gibt es

Bildschirmbrille vom Arbeitgeber

Wer am Bildschirm arbeitet, muss vom Arbeitgeber eine Vorsorge mit Untersuchung der Augen angeboten bekommen. Ergibt sie, dass eine spezielle Sehhilfe nötig ist und eine normale Brille nicht geeignet ist, stellt der Arbeitgeber sie im erforderlichen Umfang zur Verfügung ( ArbMedVV, Anhang Teil 4). Die Krankenkasse zahlt Arbeitsplatzbrillen nicht. Wie hoch die Kostenübernahme ist (etwa für das Gestell), legt das Gesetz nicht fest ( DGUV).

Steuererklärung

Brillenkosten können als außergewöhnliche Belastung zählen, soweit sie die zumutbare Belastung übersteigen ( § 33 EStG). Nachweis ist eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers ( § 64 EStDV); hat ein Augenarzt die Notwendigkeit einmal festgestellt, genügt laut Einkommensteuer-Richtlinien in den Folgejahren die Sehschärfenbestimmung beim Optiker.

Zumutbare Belastung nach § 33 Abs. 3 EStG
Gesamtbetrag der Einkünfte bis 15.340 € bis 51.130 € darüber
Ohne Kinder, Grundtarif 5 % 6 % 7 %
Ohne Kinder, Zusammenveranlagung 4 % 5 % 6 %
Mit 1 oder 2 Kindern 2 % 3 % 4 %
Mit 3 oder mehr Kindern 1 % 1 % 2 %

Gerechnet wird stufenweise: Der höhere Prozentsatz gilt nur für den Teil der Einkünfte über der jeweiligen Grenze (BFH, VI R 75/14). Eine Brille allein übersteigt die zumutbare Belastung oft nicht; zusammen mit anderen Krankheitskosten kann es reichen.

Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld)

Eine neue Brille ist aus dem Regelbedarf zu bezahlen. Ist sie unabweisbar, gewährt das Jobcenter ein Darlehen ( § 24 SGB II). Die Reparatur einer Brille gilt dagegen als Reparatur eines therapeutischen Geräts und wird als Zuschuss gezahlt; neue Gläser wegen geänderter Sehstärke zählen aber nicht als Reparatur ( BSG, B 8 SO 13/18 R).

Zusatzversicherung

Eine Brillen-Zusatzversicherung bezuschusst Gläser, Gestell oder Kontaktlinsen bis zu einem Höchstbetrag. Ob sich das für Sie rechnet, prüfen Sie mit unserer Rechenhilfe; Tarife vergleichen Sie auf der Seite Brillen-Zusatzversicherung.

FAQ

Häufige Fragen: Zahlt die Krankenkasse die Brille?

Ab wie viel Dioptrien zahlt die Krankenkasse eine Brille?

Bei Erwachsenen ab mehr als 6 Dioptrien Kurz- oder Weitsichtigkeit oder mehr als 4 Dioptrien Hornhautverkrümmung auf mindestens einem Auge. Praktisch heißt das ab 6,25 bzw. 4,25 Dioptrien. Maßgeblich ist der Wert für die Ferne im stärksten Hauptschnitt.

Zahlt die Krankenkasse die Brille für mein Kind?

Ja, Kinder und Jugendliche haben bis zum 18. Geburtstag Anspruch auf Brillengläser. Ab 14 Jahren gibt es eine neue Brille nur, wenn sich die Sehstärke um mindestens 0,5 Dioptrien geändert hat. Das Gestell zahlen die Eltern.

Gibt es noch Festbeträge für Brillengläser?

Nein. Der GKV-Spitzenverband hat die Festbeträge für Sehhilfen zum 1. März 2025 aufgehoben. Die Kassen zahlen seitdem die mit den Optikern vertraglich vereinbarten Preise.

Zahlt die Krankenkasse das Brillengestell?

Nein. Die Kosten des Brillengestells sind von der Kassenleistung ausdrücklich ausgeschlossen – für Erwachsene und Kinder.

Muss ich bei der Kassenbrille etwas zuzahlen?

Ab 18 Jahren ja: 10 % des Abgabepreises, mindestens 5 € und höchstens 10 €. Kinder und Jugendliche unter 18 zahlen nichts zu. Für Wunschgläser und Extras kommen Mehrkosten hinzu.

Zahlt die Krankenkasse eine Gleitsichtbrille?

Nur, wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen, also bei starker Fehlsichtigkeit oder schwerer Sehbeeinträchtigung. Übernommen wird dann der Vertragspreis; Mehrkosten für bessere Gläser tragen Sie selbst.

Wer zahlt die Bildschirmbrille?

Der Arbeitgeber, wenn die arbeitsmedizinische Vorsorge ergibt, dass eine spezielle Sehhilfe für die Bildschirmarbeit nötig ist und eine normale Brille nicht geeignet ist. Die Krankenkasse zahlt Arbeitsplatzbrillen nicht.

Kann ich die Brille von der Steuer absetzen?

Als außergewöhnliche Belastung, soweit Ihre Krankheitskosten insgesamt die zumutbare Belastung übersteigen. Sie brauchen eine Verordnung; in Folgejahren reicht nach einer augenärztlichen Feststellung die Sehschärfenbestimmung beim Optiker.

Keine Kassenleistung? Zuschuss vergleichen

Wenn die Kasse nicht zahlt, kann ein Zusatztarif einen Teil übernehmen. Rechnen Sie vorher nach, ob sich der Beitrag lohnt.

Für eine zusätzliche Einschätzung können Sie sich auch bei einer Verbraucherberatung informieren, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.

Die Brillen Zusatzversicherung dient der Gesundheitsvorsorge und ist keine Haftpflicht für zerstörte Brillen. Sie bietet besondere Leistungen für Vorsorgeuntersuchungen (wird im Vergleich angezeigt) z.B. für Glaukom Untersuchungen (Grüner Star), für Gesichtsfeldmessung (Perimetrie), Augeninnendruckmessung (Tonometrie), Gonioskopie (Untersuchung des Kammerwinkels) und andere... . Hörgeräte, Laser-OP´s und alle zwei Jahre eine neue Sehhilfe sind weitere mögliche Leistungen.