Arbeitsrechtsschutz: Was er zahlt und warum Sie ihn vor dem Streit brauchen
Arbeits-Rechtsschutz übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten, wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber streiten – um Kündigung, Abmahnung, Zeugnis oder Lohn. Er ist Teil des Berufs-Rechtsschutzes und greift laut Musterbedingungen erst nach drei Monaten Wartezeit. In der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht zahlt jede Seite ihren Anwalt selbst – auch wer gewinnt.
- Teil des Berufs-Rechtsschutzes
- Wartezeit: meist 3 Monate
- 1. Instanz: eigener Anwalt auf eigene Kosten
- Kündigungsschutzklage: 3 Wochen
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Was Arbeits-Rechtsschutz abdeckt
Laut Musterbedingungen gilt der Arbeits-Rechtsschutz für Streit aus Arbeitsverhältnissen und aus öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnissen, soweit es um dienst- und versorgungsrechtliche Ansprüche geht. Er gehört zum Berufs-Rechtsschutz für Ihre nichtselbstständige Tätigkeit – etwa als Arbeitnehmer, Beamter oder Richter – und ist im reinen Privat-Rechtsschutz nicht enthalten.
- Abmahnung und Kündigung
- Abfindung im Streit um das Arbeitsverhältnis
- Arbeitszeugnis und Arbeitspapiere
- Lohn, Überstunden, Weihnachts- und Urlaubsgeld
- Diskriminierung und Mobbing am Arbeitsplatz
- Mutter- und Jugendschutz
Quellen: GDV-Musterbedingungen ARB 2021(Abschnitte 2.1 und 2.2.2), GDV: Arbeitsrechtsschutz. Die Musterbedingungen des GDV sind unverbindlich – maßgeblich ist Ihr Vertrag.
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Rechner: Mr-MoneyTipp: Arbeits-Rechtsschutz steckt im Baustein „Arbeit und Beruf“, der im Rechner nur zusammen mit dem „Privaten Bereich“ wählbar ist. Achten Sie auf Wartezeit, Selbstbeteiligung und Deckungssumme.
Wartezeit und Versicherungsfall: Warum der Zeitpunkt entscheidet
Laut Musterbedingungen besteht in den ersten drei Monaten nach Versicherungsbeginn kein Schutz; der Arbeits-Rechtsschutz ist von dieser Wartezeit nicht ausgenommen. Versicherungsfall ist der Zeitpunkt, zu dem jemand gegen Rechtspflichten verstoßen hat oder verstoßen haben soll. Bei mehreren Verstößen zählt der erste – liegt er vor Vertragsbeginn, besteht kein Schutz.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Schon die Androhung einer betriebsbedingten Kündigung, falls ein angebotener Aufhebungsvertrag abgelehnt wird, kann den Rechtsschutzfall auslösen ( BGH, Urteil vom 19.11.2008, IV ZR 305/07). Auch die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass bestehende oder sich ankündigende Streitigkeiten nicht versichert sind ( Verbraucherzentrale).
Wechseln Sie lückenlos von einem Rechtsschutzversicherer zum nächsten, fällt die Wartezeit für bereits versicherte Bausteine in der Regel weg ( GDV).
Quelle: GDV-Musterbedingungen ARB 2021(Abschnitte 2.4 und 3.1). Was nach einer erhaltenen Kündigung konkret zu tun ist: Kündigung vom Arbeitgeber: Zahlt der Rechtsschutz?
Wer vor dem Arbeitsgericht die Kosten trägt
1. Instanz: Arbeitsgericht
Die Seite, die gewinnt, bekommt ihre Anwaltskosten nicht erstattet ( § 12a ArbGG). Ohne Rechtsschutz zahlen Sie Ihren Anwalt also auch dann selbst, wenn Sie recht bekommen.
2. und 3. Instanz
Hier gilt der Grundsatz der Zivilprozessordnung: Wer unterliegt, trägt die Kosten des Rechtsstreits, auch die der Gegenseite ( § 91 ZPO).
Wichtig bei einer Kündigung: Die Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung erhoben werden ( § 4 KSchG). Diese Frist läuft unabhängig davon, ob Ihr Versicherer schon zugesagt hat.
Übernommen werden im vereinbarten Umfang die gesetzlichen Anwaltsgebühren, Gerichtskosten, Zeugen- und Sachverständigenkosten des Gerichts sowie Kosten des Gegners, soweit Sie diese tragen müssen; in der Regel auch eine Mediation, abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung. Quellen: GDV: Arbeitsrechtsschutz, GDV-Musterbedingungen ARB 2021(Abschnitte 2.3 und 3.3).
Aufhebungsvertrag und Abfindung: Wann der Rechtsschutz zahlt
- Bloßes Angebot: Ein Angebot zum Aufhebungsvertrag gilt in der Rechtsprechung vielfach nicht als Rechtsverstoß. Dann gibt es noch keinen Versicherungsfall – die Prüfung des Vertrags zahlt die Versicherung in der Regel nicht.
- Angebot mit Kündigungsdrohung: Droht der Arbeitgeber mit einer Kündigung, falls Sie nicht unterschreiben, kann das nach dem BGH bereits den Rechtsschutzfall auslösen.
- Streit um die Abfindung: Abfindungen zählen laut GDV zu den typischen Fällen des Arbeits-Rechtsschutzes, wenn ein Streit aus dem Arbeitsverhältnis vorliegt.
- Ihr Tarif: Ob er eine Beratung auch ohne Streit übernimmt, steht in den Bedingungen.
Nicht versichert sind laut Musterbedingungen unter anderem Streitigkeiten aus dem kollektiven Arbeitsrecht, Anstellungsverhältnisse gesetzlicher Vertreter wie GmbH-Geschäftsführer sowie Streit, der ursächlich mit einer von Ihnen vorsätzlich begangenen Straftat zusammenhängt – etwa eine Kündigung wegen eines tatsächlich begangenen Diebstahls. Stellt sich das erst später heraus, müssen Sie die Leistungen zurückzahlen.
Quellen: BGH IV ZR 305/07, IG Metall: Rechtsschutz, GDV, GDV-Musterbedingungen ARB 2021(Abschnitt 3.2). Die Musterbedingungen des GDV sind unverbindlich – maßgeblich ist Ihr Vertrag.
Gewerkschaft, Selbstvertretung, Beratungshilfe: Alternativen prüfen
● Gewerkschaftsrechtsschutz
Für Mitglieder kostenlos bei Streit aus dem Arbeitsverhältnis und in der Sozialversicherung ( Verbraucherzentrale). Die DGB Rechtsschutz GmbH vertritt Mitglieder der DGB-Gewerkschaften. Bedingungen je Gewerkschaft: Bei der IG Metall etwa gibt es Prozessvertretung ab drei Monaten Mitgliedschaft.
◆ Selbst vertreten
Vor dem Arbeitsgericht dürfen Sie den Rechtsstreit selbst führen ( § 11 ArbGG).
Den Beitrag für beruflichen Rechtsschutz können Sie als Werbungskosten ansetzen; bei einem Kombi-Tarif den Anteil, der auf den Arbeits-Rechtsschutz entfällt – den nennt Ihnen der Versicherer ( GDV). Eine zweite Meinung, ob sich Rechtsschutz für Sie lohnt, gibt die Verbraucherzentrale.
Quellen: Verbraucherzentrale, DGB Rechtsschutz, IG Metall.
Quellen
- GDV: Musterbedingungen ARB 2021 (Stand 06/2025)
- BGH, Urteil vom 19.11.2008, IV ZR 305/07
- § 4 KSchG
- § 11 ArbGG
- § 12a ArbGG
- § 91 ZPO
- § 114 ZPO
- § 1 BerHG
- GDV: Arbeitsrechtsschutz
- Verbraucherzentrale: Rechtsschutzversicherung
- IG Metall: Rechtsschutz
- DGB Rechtsschutz: Über uns
Stand der Recherche: 20. Oktober 2026. Maßgeblich sind Ihre Vertragsbedingungen. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.
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Häufige Fragen zum Arbeitsrechtsschutz
Was zahlt eine Arbeitsrechtsschutzversicherung?
Die gesetzlichen Anwaltsgebühren, Gerichtskosten, Zeugen und vom Gericht beauftragte Sachverständige sowie Kosten des Gegners, soweit Sie diese tragen müssen – bis zur Deckungssumme und abzüglich einer Selbstbeteiligung.
Gibt es beim Arbeitsrechtsschutz eine Wartezeit?
Laut GDV-Musterbedingungen drei Monate ab Versicherungsbeginn. Bei einem lückenlosen Wechsel des Versicherers fällt sie für bereits versicherte Bausteine in der Regel weg.
Kann ich Arbeitsrechtsschutz abschließen, wenn die Kündigung schon droht?
Abschließen ja, aber für diesen Streit zahlt die Versicherung in der Regel nicht. Nach dem BGH kann schon eine ernsthafte Kündigungsdrohung den Rechtsschutzfall auslösen.
Wer zahlt den Anwalt vor dem Arbeitsgericht?
In der ersten Instanz jede Seite selbst, auch die Seite, die gewinnt (§ 12a ArbGG). Ab der zweiten Instanz trägt grundsätzlich die unterliegende Seite die Kosten.
Zahlt der Rechtsschutz bei einem Aufhebungsvertrag?
Ein bloßes Angebot ist meist noch kein Versicherungsfall. Droht der Arbeitgeber mit Kündigung, falls Sie nicht unterschreiben, kann der Rechtsschutz greifen. Maßgeblich sind Ihre Bedingungen.
Brauche ich Arbeitsrechtsschutz, wenn ich in der Gewerkschaft bin?
Oft nicht für Streit mit dem Arbeitgeber: Gewerkschaftsrechtsschutz ist für Mitglieder kostenlos. Prüfen Sie die Mindestmitgliedschaft und ob Sie Rechtsschutz für andere Lebensbereiche brauchen.
Kann ich den Beitrag von der Steuer absetzen?
Ja, als Werbungskosten. Bei einem Kombi-Tarif zählt nur der Anteil, der auf den beruflichen Rechtsschutz entfällt.
Arbeitsrechtsschutz rechtzeitig sichern
Arbeits-Rechtsschutz lohnt sich, bevor ein Konflikt entsteht. Vergleichen Sie Tarife nach Wartezeit, Selbstbeteiligung und Deckungssumme.
Für eine zusätzliche Einschätzung können Sie sich auch bei einer Verbraucherberatung informieren, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.